„Baustelle Gemeinde – Was ist eigentlich Gemeinde und wozu ist sie da?“

         Die folgende Predigt kann man sich hier auch per mp3 anhören.

Predigt zu 1. Petrus 2,4-10

Der Brief ist ja laut 1,1 an die „Fremden“ (also die im Exil oder der Diaspora lebenden) und Erwählten in den verschiedenen Provinzen des damaligen römischen Reiches gerichtet. Sie werden als „Fremde“ bezeichnet, da sie (wie auch wir!) hier keine bleibende Stadt (Hebr 13,14) noch ihr Bürgerecht (Phil 3,20) haben.
Christen sind aus ihrer gewohnten Umgebung, also aus ihrer sozialen Gesellschaft, ausgeschlossen. Jedoch von Gott erwählt => genauso wie der Stein des Anstoßes.
Verse 4-5

Petrus schreibt: „Da ihr nun zu ihm kommt dem Lebendigen Stein, welcher zwar von Menschen abgelehnt/ausgemustert wurde von Gott jedoch erwählt und kostbar.“ 

Wir sehen hier wie Petrus seine Argumentation von der Schrift her vorsichtig anführt. Dieser Lebendige Stein, greift auf das „Herr“ in Vers 3 zurück und wird durch das Bild des „Ecksteines“ später näher ausgeführt werden.

Des Weiteren ist es auch bemerkenswert, dass dieser Stein hier als lebendig bezeichnet wird. Das ist ja ein Oxymoron, also ein in sich widersprechende Aussage. Ein Stein ist doch nicht lebendig. Das ist ja so als würde man einen „quadratischen Kreis“ oder eine „verheiratete Junggesellin“ beschreiben.

Doch genau so bekommt Petrus unsere Aufmerksamkeit. Dieser Stein (später als Eckstein identifiziert) ist ja deshalb lebendig, weil er Leben spendet. Aus ihm geht wahres Leben hervor, da er selbst wahres Leben ist (Johannes 11,25 + 14,6).

Er ist auch im starken Kontrast zu anderen Steinen. Wir lesen in der Apg 17,29: „Wenn wir Menschen aber von Gottes Art sind, dann dürfen wir nicht meinen, die Gottheit gleiche den Bildern aus Gold, Silber und Stein, die von Menschen mit ihrer Erfindungskraft und Kunstfertigkeit geschaffen wurden!“ Petrus stellt also dem alten Leben seiner Leser (1. Petrus 1,18), das neue Leben durch Jesus‘ Tod und Auferstehung gegenüber.

Auch wir (oder zumindest die meisten von uns) sind ja schon zu diesem Stein gekommen. Falls Du dies noch nicht getan hast, möchte ich Dich dazu sehr ermutigen, die Vergebung und die Gemeinschaft mit Gott und seinen Leuten anzunehmen.

[Zu diesem Lebendigen Stein sind die Christen gekommen. Das Wort „sich nähern“ oder „kommen“ wird in der griechischen Übersetzung des AT als auch im Hebräerbrief häufig dann benutzt, wenn man sich Gott nähert.]

Diesen Stein haben die Bauherren zwar links liegen gelassen, haben ihn für untauglich erklärt, aber Gott sah und sieht dies doch ganz anders. Gerade den Stein den die Bauherren verschmähen, ist doch der von Gott Erwählte!

Hier ermutigt Petrus die Christen damals und heute. Viele der Christen wurden ja damals als „Menschenhasser“ verpönt, da sie sich von vielen Aspekten der damaligen Kultur zurückziehen mussten (4,4). Sie konnten nun nicht mehr einfach so an Gewerkschaftsfeiern oder auch Familienfeiern teilnehmen, da diese oft mit Götzendienst und anderer paganer Praxis verbunden war. Zwar sieht das heute etwas anders aus, aber es gibt doch Situationen, die man als Christ nicht so einfach mitmachen kann. Jeder der in der Wirtschaft arbeitet, wird ja des Öfteren schon unter Druck gekommen sein, gewisse Zahlen oder Ergebnisse anders anzugeben.   

In Vers 5 kommt nun die Hauptaussage: Wir, die wir zu dem Lebendigen Stein gekommen sind werden selbst aufgebaut wie lebendige Steine. Petrus beschreibt die Christen also genauso wie er Christus beschrieben hat: als lebendige Steine. Der Unterschied ist jedoch, dass wir nur wegen unserer Verbindung zu Jesus lebendig geworden sind.

Zu was werden wir aber aufgebaut und warum? Das beantwortet Petrus folgendermaßen: „als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind, durch Jesus Christus.“

Bo Reicke (AB, 91) denkt, dass die lebendigen Steine, die zu einem geistlichen Haus aufgebaut werden, auf eine intime Verbundenheit der Christen zielt, jedoch das „allgemeine Priestertum“ die Aufgaben der Christen nach außen darstellt.

Der Grund, dass wir als geistliches Haus (Tempel) und zu einem heiligen Priestertum ist also geistliche Opfer darzubringen.

Wenn Christen zusammenkommen (oder vielmehr gemeinsam zu Christus kommen) bilden sie einen Tempel. Ein Tempel ist der Wohnort Gottes. Dort bringen Priester ihre Opfer dar. Wie dürfen nicht vergessen, dass es im AT mehr als nur eine Art von Opfer gab. Natürlich bringt ein Christ keine Opfergaben im Sinne der Sündenbereinigung, das hat ja Jesus selbst am Kreuz getan. Doch bringen wir Dankesgaben unserer Beziehung zu Gott dar! In den Psalmen wird z.B. von Gebet, Dank und Preis (50,14; 51,17; 141,2) als Opfergaben gesprochen. Im NT haben wir zwei Texte, die hier sehr passend sind, jedoch wollen wir uns hier auf eine beschränken.

Hebräer 13,15-16: „Durch Jesus wollen wir Gott zu jeder Zeit danken, indem wir ihn loben und uns zu seinem Namen bekennen! Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit den anderen zu teilen, denn über solche Opfer freut sich Gott.“ Hier und im Kontext von 1. Petrus sehen wir deutlich, dass Gott zu loben eng mit den wohlgemeinten Taten an unseren Nachbarn verbunden ist.
Verse 6-8

Jetzt kommt die biblische Argumentation des Petrus zum Zuge. Mit einem Zitat aus Jesaja 28,16 begründet er das bisher gesagte und macht so den Christen Mut, die sporadische Verfolgung (zumindest auf ökonomische Art) als auch den Spott der anderen ertragen müssen. Die schmerzhafte Situation, die die Christen damals wie heute erleiden, hat nichts damit zu tun, dass Gott Missfallen an ihnen hat (D.A. Carson, OT in NT, 1026-27), sondern gerade im Gegenteil … weil sie zu Jesus gehören sind auch sie kostbar und erwählt, jedoch von den meisten Menschen als unpassend empfunden.

In Matt 16,18 wird Petrus als Fels der Kirche benannt; in Eph 2:20 ist es auch Christus mit Propheten und Aposteln als allgemeines Fundament. Es ist schon interessant, dass Petrus hier nicht sich selbst, sondern Christus als den Eckstein vorstellt.

Wie wir letzte Woche schon von Andreas Mang gehört haben ist man sich über die Platzierung des Ecksteines nicht ganz sicher [Bilder zeigen], jedoch ist man sich eins darüber, dass dieser Stein der wichtigste des ganzen Gebäudes ist. Bei dem ganz drunter und drüber im alltäglichen Leben, privat als auch in der Gemeinde müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, ob Jesus noch der Mittelpunkt unseres Lebens ist.

Nun aber kurz zum AT Hintergrund des Zitates. Im Propheten Jesaja kündigt Gott seine Strafe an den Führern Israels an. Er vergleicht sich selbst mit einem Architekten, der eine neue Struktur baut. Jesaja spricht nun dem Volk zu sich auf Gott zu verlassen und Gerechtigkeit zu üben. Gott ist der Architekt, der ein neues Gebäude anfängt, einen Eckstein legt. Nun ist die Frage, ob sich die Bauherren und die Menschen im Allgemeinen an diesen Plan Gottes halten, oder ob sie und wir(!)  versuchen unser eigener Bauherr und Architekt zu sein. Gestalten wir also unser Leben nach den Vorstellungen Gottes oder nach unseren eigenen?

In diesen drei Versen sehen wir ganz deutlich wie entzweiend (also Uneinigkeit stiftend) dieser Eckstein – Jesus – eigentlich ist. Entweder wird man an ihn glauben und so an seiner Ehre teilnehmen, oder man wird durch ihn zum Fall kommen. Man kann also nicht einfach über diesen Eckstein hinwegsteigen und so tun als ob da nichts wäre. Diese Möglichkeit hat Gott uns genommen. Unser persönliches Glück und von Gott gegebene Orientierung entscheidet sich einzig und allein an der Person und dem Werk Jesus Christi!

Ein Bibelgelehrter beschreibt das so (L. Goppelt in Karen Jobes zitiert): „Christus wird auf den Pfad der Menschheit auf ihrem Weg in die Zukunft gelegt. In der Begegnung mit ihm wird jede Person verändert: eine für die Erlösung, eine andere für die Zerstörung. … Man kann nicht einfach über Jesus hinweggehen und seiner täglichen Routine nachgehen um eine Zukunft zu bauen. Wer auch immer ihm begegnet wird unausweichlich durch diese Begegnung verändert: Entweder man sieht und wird ‚ein lebendiger Stein‘ oder man stolpert als Blinder über Christus und kommt so zum Verderben.“
Verse 9-10

Das Thema der heutigen Predigt ist ja: „Baustelle Gemeinde – Was ist eigentlich Gemeinde und wozu ist sie da?“ Im ersten Teil haben wir schon gesehen, dass wir als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus, einem heiligen Priestertum zusammengefügt werden. Diese Baustelle ist nun schon seit knapp 2000 Jahren im Gange und solange Jesus nicht zurückkehrt geht dieser Bau auch noch weiter.

Jetzt werden wir aber in den Versen 9-10 etwas genauer hinschauen, was denn Gemeinde eigentlich ist und zu was sie berufen ist.

Nun möchte ich auf die Bündnisrede Gottes in 2. Mose 19,5-6 zurückkommen: “Wenn ihr mir nun gehorcht und den Bund haltet, den ich mit euch schließen werde, sollt ihr vor allen anderen Völkern der Erde mein besonderes Eigentum sein, denn die ganze Erde gehört mir. Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern, ein heiliges Volk sein.“

Auch Jesaja 43, 20-21 hat hier etwas hinzuzufügen: „Die Tiere des Feldes werden mich preisen, die Schakale und Strauße, weil ich Wasser gegeben habe in der Wüste und Ströme in der Einöde, um mein Volk zu tränken, mein auserwähltes, das Volk, das ich mir gebildet habe, damit sie meinen Ruhm verkündigen.“

Im AT hatten nur gewisse Stammesangehörige das Recht als Priester vor Gott zu treten. Jedoch war das ganze Volk zu einer Art Priesterschaft den anderen Völkern gegenüber aufgerufen.

Nun schreibt aber Petrus, dass wir alle Zugang zu Gott haben. Ein Priester ist einer, der Gott dient und das Recht hat vor Gott zu treten. Nun kann er auch Opfergaben in Gottes Gegenwart verrichten gerade für die Leute, die keinen Zugang zu Gott haben.

Hier sehen wir als wieder einen Blick nach außen. Wir sind zwar als Gemeinde Tempel Gottes und pflegen tiefgehende Gemeinschaft, jedoch nicht unter absoluten Ausschluss der anderen. Mein Professor (Eckhard Schnabel) pflegte immer zu sagen, dass es kein Zufall sei, dass im NT die Gemeinde nicht mit der Arche Noahs sondern mit einem Fischerboot verglichen wird. Wir müssen also tatsächlich zu den Leuten hingehen => hier Bezug auf Kontextanalyse Bürgerparksviertel und Martinsviertel nehmen. 

Aber zurück zum Text. Petrus beschreibt hier mit vier Ausdrücken was Gemeinde eigentlich ist und der Sinn und Zweck ist dann hierin gegeben: „so dass ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“

Einst waren die Ehrentitel dem Volk Israel im AT gegeben, nun aber benutzt Petrus diese um die Christen (also Heiden und Juden zusammen) als das Volk Gottes darzustellen.

Lasst uns nun ein wenig auf die einzelnen Begriffe zu sprechen kommen, die die Ehre aus Vers 7 verdeutlichen.

1)                      ein erwähltes Volk
Dieser Begriff ist dem in Jesaja 43,20 gleich. Dort verspricht YHWH seinem Volk einen zweiten Exodus (als ein Auszug wie aus Ägypten) aus der Babylonischen Gefangenschaft. Petrus sieht, das die an Jesus Glaubende, aus der Gefangenschaft der Sünde herausgenommen und in Gottes Gemeinschaft gebracht wurden. Dies alles durch den Tod am Kreuz und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus

Wir sind also aus unserer Finsternis zu Gottes herrlichem und wunderbarem Licht erwählt und berufen.
2)                      ein königliches Priestertum   
Wie schon vorhin gesagt kommt diese Bezeichnung aus 2. Mose. Dort wird das ganze Volk Israel als ein Königreich voller Priester bezeichnet. Petrus greift das hier auf und bezeichnet die Gemeinde als königliches Priestertum. Die Gemeinde ist deshalb königlich, da sie dem König des Universums angehört. Sie ist ein Priestertum, da sie die gute Nachricht (das Evangelium) an andere weitergibt, so Gottes Herrschaft ausbreitet und Menschen zu ihrer wahren Identität helfen.
3)                      ein heiliges Volk
Wir sind für Gott reserviert also ihm abgesondert und darum heilig. Unser Handeln und Reden (und unsere Gedanken) – also unser ganzes Sein – soll von diesem heiligen Gott beeinflusst sein. Wir sollen heilig sein, da auch Gott heilig ist.

4)                      ein Volk seines Eigentums
In Vers 10 zitiert Petrus aus Hosea 2 und hier geht er wieder auf Jesaja 43,21 zurück. Wir sind Gottes Eigentum. Die Gemeinde macht nichts aus eignen Stücken, sondern wird von Gott zu bestimmten Zwecken eingesetzt: „so dass ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“

Wir verkünden nun was Gott großes durch Jesus getan hat und auch heute noch tut.
In 2,11ff wird nun konkret herausgesellt was es bedeutet als Christ  in einer feindseligen Gesellschaft zu leben.
Vielleicht habt ihr es schon gemerkt aber all diese Bezeichnungen zielen nicht auf den einzelnen Christen, sondern auf die christliche Gemeinschaft.

Ein afrikanischer Ausleger schreibt: „Errettung ist doch nicht nur eine individuelle Angelegenheit, sondern beinhaltet eine Teilnahme/Mitgliedschaft in der Gemeinschaft der Gläubigen“ (Sicily Mbura Muriithi S. 1545 in African Commentary).

Bo Reicke fügt hinzu: „Die Gemeinde besteht nicht aus Einzelnen, die kalt und tot sind, sondern aus solchen die ihre Umgebung mit lebenspendender Liebe bereichern“  (91, AB).

Was Nun?

Jesus Christus ist der kostbare und auserwählte Eckstein Gottes. Dieser Stein wurde jedoch von den Bauherren verachtet. Wir sehen ähnliches u.a. in 1. Korinther1,18-25 – Christus und das Kreuz sind die größte Dummheit für viele unserer Freund, Familienmitglieder etc. und wir sollten nicht überrascht sein, wenn sie uns für unsere Verbindung zu Jesus missachten oder auslachen.

Da wir als heiliges Volk mitten in unserer Stadt (Gemeinschaft leben) ist es wichtig, dass unser Handeln, unsere Worte unserer Identität entsprechen. Leute beobachten uns und es wäre gut, dass sie wenigstens nichts gegen unsere guten Taten sagen könnten, oder? => 2,12

Als Gemeinde werden wir von Gott in diese Welt gesandt und wir dürfen an der Ehre Christi teilhaben. Wir erzählen unseren Nachbarn, ob fern oder nahe, wer dieser Jesus ist, was er für uns und für sie getan hat. Wir haben Barmherzigkeit wiederfahren und wir wollen dies mit anderen teilen, so dass auch sie zum Volk Gottes werden.

Amen! 

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