Predigt zu 1. Korinther 1,18-31 – „Die größte Dummheit der Welt!“ oder „Ohne das Kreuz kein Evangelium“

In dem Brief an die Korinther schreibt der Apostel Paulus einer Gemeinde, die viele Probleme mit alltäglichen Dingen hat. Zum Beispiel ist unklar, ob sie Fleisch auf dem Marktplatz kaufen dürfen, da dies evtl. mit Götzendienst verbunden ist. Im Allgemeinen scheint die Gemeinde in Korinth noch nicht ganz verstanden zu haben wie sich das Evangelium auf das persönliche als auch das gesellschaftliche Leben auszuwirken hat.
In den voranstehenden Versen erfahren wir von gewissen „Spaltungen“/Rissen in der Einheit der Gemeinde. Es gab also Streitigkeiten (1,11). Diese hatten damit zu tun, dass die Gemeinde sich in Cliquen aufteilte und ihrem persönlichen Helden – Apollos, Petrus oder Paulus (oder sogar Jesus!) – folgte. 
Auf diese Streitigkeiten, die anscheinend viel mit Redekunst zu tun hatten, schreibt Paulus in Vers 17: „denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen, [und zwar] nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz des Christus entkräftet wird.“ Die Korinther haben menschliche Maßstäbe/Weisheiten benutzt um das Evangelium und die Arbeiter in der Gemeinde zu beurteilen.
Der Begriff Weisheit [σοφία] hatte zur Zeit Paulus nicht nur mit dem Inhalt von Wahrheit zu tun, sondern ging mehr in die Richtung von rhetorischer Finesse. Paulus reagiert jedoch vehement gegen solche Rhetorik, die einfach nur überzeugen will, gleich ob das was gesagt wird wahr oder falsch ist.
Und warum Paulus so vehement argumentiert sehen wir in den Versen 18-31.

Vers 18:
Von Anfang an macht Paulus klar, dass es um das Kreuz geht. Er schreibt ja „das Wort, welches vom Kreuz handelt.“ Ganz viel Nachdruck verleiht der Apostel diesem Begriff, denn (wie wir bald sehen werden) entscheidet sich alles an diesem Wort – also dieser Botschaft vom Kreuz.
Nun möchte ich die Uhr um 2000 Jahre zurückdrehen. Wir sind ja heute so familiär mit dem Kreuz, manche tragen es sogar als Schmuck, dass wir doch erst einmal im historischen Milieu des NT sehen müssen, was das Kreuz eigentlich in der damaligen Gesellschaft bedeutet hat:
Cicero (Rab. 5,16) schreibt: „Die bloße Bezeichnung (Kreuz) sei nicht nur von Leib und Leben der römischen Bürger verbannt, sondern auch von ihren Gedanken, Augen und Ohren. Denn alle diese Dinge sind eines römischen Bürgers und freien Mannes unwürdig.“
Das Kreuz war eine Schande und wurde nur für schlimme Verbrecher benutzt. Römische Bürger waren von einer solchen schändlichen und verachtenden Hinrichtung befreit
Gekreuzigte hingen manchmal Stunden oder gar Tage an diesem Holz und wurden so qualvoll hingerichtet
Man könnte es heute vielleicht mit der Hiroshima Bombe oder den Gaskammern in Auschwitz vergleichen. Also keine schöne und sittliche Sache, sondern etwas so abscheuliches, dass es nach römischer Sitte nicht einmal in Gesprächen erwähnt werden durfte.
Im NT wird der Kreuzestod Jesu als stellvertretender Sühnetod aufgegriffen – also nach dem Bilde aus 3. Mose 16 dem „Tag der Sühne“. Der von Gott gesandte Erretter, Jesus, starb an unserer Stelle und für uns. Er erlitt diesen Qualvollen Tod, so dass unsere Sünden (also unsere Vergehen, sein es Gedanken, Worte oder Taten) ausgetilgt werden konnten. 
Die Botschaft vom Kreuz ist laut v.18 entweder zum Heil des Hörers oder zu seinem Verderben. Es gibt keine neutrale Zone, in der man sich aufhalten könnte. Entweder stehen wir auf diesem Fels der Erlösung, oder wir werden an ihm zerbrechen [siehe auch das Bild des Ecksteins].
Warum das so ist begründet Paulus im v. 19 mit einem Zitat aus Jesaja 29,14.

Vers 19:
Im Kontext des Propheten Jesaja geht es um den Vorwurf scheinheiliger Anbetung. Das Volk Israel bete Gott zwar mit ihren Mund und Lippen an, jedoch ist ihr Herz weit weg von Gott.
Desweitern kündigt Gott den Untergang der politischen Führern (also den Weisen) an (Verse 15-21).
Genau dies greift Paulus auf. Die Weisen dieser Welt werden Gott nicht durch ihr eigenes Tun erkennen können. Scheinheiliger Lobpreis Gottes, wird Gott auch nicht täuschen können. Wir oft gehen wir als Christen durch die Routine der Anbetung in unserem Leben ohne dabei wirklich an Gott und seinen Sohn zu denken? 

Vers 20:
Mit drei rhetorischen Fragen zeigt Paulus nun, dass der Mensch von sich aus nicht zu Gott finden kann. „Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit?“
Hier sehen wir die Crème de la Crème der damaligen Kultur. Das Beste, was die Menschheit zu bieten hat. Erst startet Paulus mit dem Überbegriff des „Weisen“ und führt dann den „Schriftgelehrten“ und den „Wortgewaltigen“ als konkretes Beispiel heran. Der den „Schriftgelehrte“ ist ja der Intellektuelle des jüdischen Volkes und der „Wortgewaltige“ der griechisch-römischen Kultur.
Heute könnte man diese evtl. mit den Politikern und den Philosophen vergleichen.
Doch kein noch so kluges Köpfchen kann sich nach menschlicher Vernunft selbst erretten. Alle stehen vor dem Allmächtigen mit leeren (gar schmutzigen!) Händen dar.
„Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht?“ Menschliche Weisheit kann Gottes Wundertat am Kreuz nicht begreifen. Wir sehen das auch in Joh 3, wo Jesus dem „Lehrer Israels“ (Nikodemus) sagt, dass man Gottes Gnade und Barmherzigkeit nur erfahren und erkenn kann, wenn man von neuem geboren wird => also nur durch das Wirken des Heiligen Geistes.
In V. 22 sehen wir warum dies alles so ist. 

Vers 22:
Juden fordern ein Zeichen, Griechen suchen Weisheit.
Hier ist es interessant in einen kleinen Ausschnitt der Passion Christi nach Matthäus zu schauen: Matt 27, 39-42
Die Leute, die vorübergingen, beschimpften und verhöhnten ihn:
»So! Du kannst also den Tempel zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen? Nun, wenn du der Sohn Gottes bist, dann rette dich doch selbst und steig vom Kreuz herab!«
Die obersten Priester, Schriftgelehrten und Ältesten verspotteten Jesus ebenfalls.
»Anderen hat er geholfen«, höhnten sie, »aber sich selbst kann er nicht helfen! Wenn er wirklich der König Israels ist, dann soll er doch vom Kreuz herabsteigen. Dann werden wir an ihn glauben!
Das interessante hierbei ist, dass die Intellektuellen der Juden nicht verstanden, was dort am Kreuz geschah. Erst wenn Jesus das „Zeichen“ des vom Kreuz Herabsteigens vollziehen würde, würden si an ihn glauben. „Rette dich selbst!“ spotten sie ohne zu wissen, dass wenn Jesus sich selbst errettet hätte, deine und meine Errettung unmöglich gewesen wäre.

Vers 23:
Der Kreuzestod ist für die Juden und die Griechen ein Affront, eine Provokation, eine Beleidigung.
Ein Ärgernis für die Juden. Ein gekreuzigter Messias? Juden erwarten einen triumphierenden und in Macht regierenden Messias … nicht einem am Kreuz leidenden. Denn laut Gesetz ist der, der an einem Holz hängt, ein von Gott verfluchter (5. Mose 21,23)!   
Hier einmal ein kleiner Einblick aus dem 2. Jahrhundert. Justin in seinen Dialogen mit dem Juden Trypho schreibt, dass Trypho nicht überzeugt werden konnte, dass Jesus der Christus (Messias) ist. Im Dialog über Daniel 7 antwortet Trypho:
„Mein Herr, die erwähnten Schriften und ähnliche veranlassen uns, dass wir den, der als Menschensohn von dem Bejahrten die ewige Herrschaft erhält, in Herrlichkeit und Größe erwarten. Dieser euer sogenannter Christus aber ist ohne Ehre und Herrlichkeit gewesen, so dass er sogar dem schlimmsten Fluch verfiel, den das Gesetz Gottes verhängt: er ist nämlich gekreuzigt worden.“
[siehe auch Pinchas Lapide „Auferstehung: Ein jüdisches Glaubenserlebnis“]
Den Griechen ist dieser gekreuzigte Jesu als Retter der Welt völliger Unsinn (Blödsinn, Dummheit). Man sollte das Wort nicht mit „Torheit“ übersetzen, da dies viel zu formell ist. Es handelt sich nun wirklich um ein abwertendes und spöttisches Denken über den anderen – vielleicht „das ist doch völliger Schwachsinn“ trifft es am besten.
Griechen und Römer verehren Helden. Wir lesen z.B. in einer Inschrift folgendes über den Kaiser Augustus (Prienne Inschrift):
… Da Vorsehung, die alle Dinge bestellt und tief an unserem Leben interessiert ist, in perfektester Ordnung indem sie uns  Augustus gab, … sandte ihn als Retter [sotēr] für uns und unsere Nachkommen, damit er den Krieg beende und all ordne… und seit dem Geburtstag des Gottes Augustus war der Anfang der guten Botschaft [euangelion] für die Welt…
Ein Gott, der Mensch wird und dann noch den verabscheulichsten Tod stirbt ist kein Held. Wir können auch folgendes Bild nun in einem Museum sehen: 
Darunter steht: „Alexamenos betet seinen Gott an.“
Das ist also was der Römer von einem Gekreuzigten Retter der Welt hält.

Vers 24:
Den ungläubigen Griechen und Juden werden nun die Glaubenden (eben auch Griechen und Juden!) gegenübergestellt: „denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, [verkündigen wir] Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“
Hier wird Jesus als Kraft/Macht und Weisheit beschrieben. Dies sind 2 Gotteseigenschaften. Es ist die Kraft Gottes die Tote auferstehen lässt (1 Kor 6,14; 15,43) und in der Verkündigung der guten Nachricht Verlorene rettet. Es ist also der gekreuzigte Messias – die Weisheit Gottes – auf das sich Gottes Heilsplan konzentriert.

Vers 25:
Gottes Handeln, seinen eigenen Sohn sterben zu lassen, sieht mehr als nur schwach aus. Aber es ist genau diese Schwäche, die mächtiger ist als alles was wir uns menschlich vorstellen können. Es ist genau dieser dumm/blödsinnige Akt Jesu am Kreuz, der dem Menschen Heil bringt.
Welche andere Mittel haben wir um unser Heil zu bringen, eine wiederhergestellte Beziehung zu Gott zu erlangen? Es ist nur durch den Kreuzestod Jesu möglich, dass unsere Sünden vergeben sind und wir wieder mit reiner Weste vor Gott stehen können. Gepriesen sei der Herr!
Es war ja Martin Luther, der theologica crucis (Theologie des Kreuzes) wieder in den Mittelpunkt christlicher Lehre gerückt hat. Luther hatte sich hier weit gegen die scholastischen Gelehrten seiner Zeit aufgelehnt, die nur rein spekulative Gedanken zur Theologie entwickelten.
Gott kann aber nur durch das Kreuz erkannt werden. Dietrich Bonhoeffer: „Wenn es ich bin der sagt wo Gott zu finden ist, werde ich immer einen Gott finden, der mir entspricht … Aber wenn Gott derjenige ist, der sagt wo er zu finden ist, so ist es der Ort des Kreuzes Jesu.“
Ohne das Kreuz gibt es kein Evangelium!
Jesus starb an deiner und meiner Stelle und nun können wir wieder zum Vater nach Hause zurück, denn hier haben wir keine bleibende Stadt, unser zuhause ist beim Vater!

Verse 26-29:
Hier geht es um die sozialen Unterschiede der Korinther-Gemeinde und dass Gott genau diese eben nicht als Maßstab für seine Berufung seines Volkes wert hat gelten lassen.

Vers 30:
Die Quelle und Ursache unserer Existenz „in Christus“ (also unsere Verbundenheit mit ihm) verdanken wir einzig und allein Gottes Gnade und Barmherzigkeit: „durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus.“
Jesus Christus wird uns nun zur Weisheit Gottes!
Mit drei weiteren Bildern untermalt Paulus das was Jesus für uns Christen geworden ist:
  • ·         Unsere Gerechtigkeit – für uns die wir ungerecht waren sind gerecht gesprochen
  • ·         Unsere Heiligung – wir sind von Gott zu ihm hin ausgesondert worden.
  • ·         Unsere Erlösung – Unsere Schuld ist vergeben und nun können wir wieder in enger Gemeinschaft mit ihm Leben
    Zwei Bilder werden hier hervorgerufen:

o   Freikauf eines Sklaven
o   Exodus Israels aus Ägypten
Was Nun?
Das Kreuz ist elementarer Bestandteil unseres Glaubens. Wir können es nicht wegdenken oder schönreden.
Wir müssen mit Spott und Hohn mancher/vieler rechnen, jedoch wissen wir auch um die Kraft Gottes und beten, dass unser Zeugnis Menschen zu Jesus – der Weisheit Gottes – führt.
Das Kreuz kann zwar nicht schöngeredet werden, das heißt aber nicht, dass wir die gute Nachricht, dass Gottes Sohn für uns starb, in unverständlicher weise rüberbringen sollen. Wir müssen doch so Zeugnis geben, dass unser Nachbar, unser Freund, unsere Familie versteht was der Kreuzestod Jesu bedeutet. 
Wie verstehen wir Erlösung von Sünde? Freiheit um das zu tun was wir wollen? Oder als Freiheit von Sünde, um jemand anderem zu gehören? Wahre Freiheit kann der Mensch nur dann erfahren, wenn er sich Gott unterordnet und so zu seiner wahren Bestimmung findet.
Ohne Kreuz gibt es kein Evangelium!
Amen!

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