Zweifelhaft Glauben

Head in Hands

In diesem Blogpost beschäftigen wir uns mit dem ersten Kapitel des ersten Teils des Buches Warum wir mündig glauben dürfen. Hier schreibt Arne Bachmann über das Thema „Zweifelhaft Glauben“. Zu Beginn schreibt Bachmann phrasenhaft einige Gedanken zum diesem Thema; es liest sich schon fast wie ein Gedicht. In diesem „Gedicht“ ist mir folgende Aussage besonders aufgefallen: „Wenn der Grund zum Abgrund wird.“ Es lässt sich also zu Anfang bereits beobachten, dass wir nicht von kleinen Zweifeln, die hier und da auftreten können, sprechen. Sondern es geht um etwas Fundamentales. Das Fundament auf dem man zu stehen schien und welches einem Sicherheit gab, droht wegzubrechen.

Bachmann unterscheidet in seinem Aufsatz zwischen Zweifel aus Distanz und Zweifel auf Beziehungsebenen. Zweifel aus Distanz benennt er Skepsis.  Bei diesem Zweifeln ist man ferner Beobachter gewisser Fakten, denen man nicht zustimmen mag oder kann. Jedoch geht es nicht um solche Fakten (hier wäre man in der christlichen Theologie im Bereich der Apologetik).

Vielmehr geht es Bachmann um die zweite Art des Zweifelns – das Zweifeln auf der Beziehungsebene. Eine Person wird in Zweifel gezogen. Jemand (nicht nur eine Sache) ist uns nicht mehr vertrauenswürdig. Tiefe Verunsicherungen, Angst und Verzweifeln können sich breit machen.

Was ist jedoch schlimmer als solche Zweifel? Solche Zweifel nicht zulassen zu dürfen. In Gemeinden oder christlichen Gruppierungen (und wahrscheinlich auch in anderen religiösen/politischen Gemeinschaften) wird man gleich be-seelsorgt oder man wird ignoriert.

In einem zweiten Teil beschreibt Bachmann kurz „Die Suche nach Sicherheit“ von Sokrates und Descartes und was Gott in dieser Suche noch bieten kann. Laut Bachmann ist für Descartes Gott nur noch eine Art Lückenbüßer, der sicherstellen soll, dass unser Denken nicht von irgendetwas Bösem beeinträchtigt wird. Schon Luther, so Bachmann, hat diese Art der securitas (indem Gott benutzt wird) als Götzendienst bezeichnet.

Worum es Bachmann zu gehen scheint, ist, dass die göttliche Barmherzigkeit gewisser ist als all unsere „theologischen Gedankengebäude“ (er führt z.B. die Jungfrauengeburt, Irrtumslosigkeit der Schrift u.a. an). Ich denke zu verstehen, dass hier das objektive Handeln über unserem Subjektiven Verstehen steht. Jedoch wäre es interessant zu erfahren wie man auf „göttliche Barmherzigkeit“ stoßen kann ohne jegliches theologisches Gedankengebäude. Ist denn diese Barmherzigkeit kein Gedankengebäude? Aber ich möchte Bachmann einräumen, dass es ihm wahrscheinlich um die Dichotomie des Objektiven und Subjektiven – wie oben beschrieben – geht. Gottes Handeln in Jesus Christus (das Objektive) steht selbst über unserem Glauben und unseren Zweifeln (das Subjektive).

Zweifeln dürfen – ja, müssen sogar – zugelassen werden. Auch diese, sowie unser Vertrauen auf Gott, gehören in den Alltag  unserer Beziehungen. Bachmann meint sogar Zweifel können unsere Orientierungen in Neuorientierungen umwandeln. Wir wachsen also an solchen Zweifeln.

Eine Gefahr, die Bachmann auch herausarbeitet, ist es sich in solchen Zweifeln zu verlieren bzw. sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und so nur noch auf sich selbst konzentriert zu sein.

Im Großen und Ganzen ist es ein gelungener Aufsatz. Was mir jedoch nicht einleuchtet, ist der Zusammenhang des Zweifelns an einer Person (mir ist jemand nicht mehr vertrauenswürdig) und die Zweifel, die uns Neuorientierungen geben. Es scheint als wäre die Abgrenzung der Skepsis (Zweifel aus Distanz) und das inwendige Zweifeln an Gott (und eben nicht an rein „theologischen  Gedankengebäuden“) nicht vollends vollzogen worden und somit auch nicht beantwortet.

Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/proimos/4199675334/ "Facepalm" by Alex Proimos

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